MdEP Heubuch an der AES: „Das hier ist mir wichtig.“

Am 3. Juli 2017 hatten wir das Glück Maria Heubuch, eine Abgeordnete der Grünen im EU Parlament, an der Albert-Einstein-Schule begrüßen zu dürfen. Während unseres Besuchs in Straßburg im Mai 2017 war sie verhindert und konnte die Fragerunde mit unseren Schülern nicht wahrnehmen. Aus diesem Grund hat sie sich extra noch einmal die Zeit genommen, um sich mit unseren SchülerInnen der TGJ1 auszutauschen. Warum ihr das so wichtig war, merkten wir schnell: Solche Treffen mit den BürgerInnen Europas seien ihr wichtig.

Zu Beginn lernten die SchülerInnen der TJ1 den Werdegang der Politikerin kennen: Die Milchbäuerin aus dem Allgäu wurde durch die öffentliche Diskussion über die Milchquote politisiert und engagierte sich dann in ihrem heimischen Kreisbauernverband. Ihre langjährige Erfahrung als Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. und der Kontakt mit Bauern und Bäuerinnen in ganz Deutschland bewegten sie dazu Parteimitglied bei den Grünen zu werden. Seit 2012 ist sie Mitglied der Partei, 2014 wurde sie als Vertreterin der baden-württembergischen Grünen ins Europäische Parlament gewählt und sie engagiert sich seither im Ausschuss für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung sowie im Entwicklungsausschuss und Ausschuss für Fischerei.

Die SchülerInnen eröffneten die Diskussionsrunde mit einer Frage zum Thema CETA und Maria Heubuch erklärte den SchülerInnen anhand konkreter Beispiele und einem Blick für das Lokale die europäische Politik. Es folgten Fragen zur Privatisierung von Wasser und zu internationalen Konzernen in Afrika. Hier erlaubte sich Maria Heubuch sogar einen kritischen Blick auf das EU Parlament, da sie beklagte, wie schwierig es sei, bindende Regeln für Konzerne durchzusetzen und erinnerte, dass bei solch einer Angelegenheit nicht nur ein regionaler und nationaler, sondern vor allem auch ein globaler Blick notwendig sei, um zu einer Problemlösung zu gelangen. Die nächste Frage zielte auf Martin Sonneborn ab. Maria Heubuch nutzte diese Frage um über die harte Arbeit im Parlament zu sprechen. Sie arbeitet von Montag bis Donnerstag spät und am Wochenende in der Region. Diese Arbeitszeiten konnten Maria Heubuchs Begeisterung für ihre Arbeit jedoch keinen Abbruch tun. Vielmehr bekräftigte sie ihr Engagement mit den Worten: „Demokratie ist Arbeit.“ Anschließend folgten viele Fragen zum Themenbereich Lebensmittel und Umwelt. Mit großer Leidenschaft beantwortete sie die Fragen und kritisierte die ungerechte Verteilung von Lebensmitteln in der Welt und die Probleme des übermäßigen Fleischkonsums in den Industrieländern. Dabei ging sie auch auf die Massentierhaltung und den hohen Bedarf von Futtermitteln und den damit verknüpften Sojaanbau in Lateinamerika ein. Darüber hinaus verwies sie bei dem Thema Umwelt auf die Arbeit mit der UN. Sie betonte, dass nur freiwillige Ziele für die Staaten festgelegt seien, sprich keine Sanktionen erfolgten, sofern die Ziele nicht eingehalten würden. Die EU habe in dieser Hinsicht auch keinen Handlungsspielraum. 

Im Anschluss musste sich Maria Heubuch noch kritischen Fragen zu dem amtierenden Präsidenten der USA, Donald Trump, stellen, erklärte jedoch, dass ihrer Ansicht nach von Trump keine Gefahr für die EU ausgehe und beantwortete ebenso offen weitere tagespolitische Fragen zur Syrien-Krise, zum Freihandelsabkommen TTIP und zur Regulierung des Finanzmarkts nach 2008. In allen Fragen betonte Maria Heubuch, dass es der EU darum gehe, diplomatische Lösungen zu finden. Abschließend stellte ein Schüler noch die Frage, ob die Tatsache, dass sich viele Wähler machtlos fühlten, auf die Machtlosigkeit der Politiker zurückzuführen sei. Maria Heubuch erklärte, dass sie zwar gelegentlich selbst eine gewisse Machtlosigkeit empfinde, aber schlussendlich für sie ihre Erfolge immer im Vordergrund stünden. Sie erklärte, dass man nichts bewirke, wenn man „meckernd auf dem Sofa“ sitze und appellierte daran, dass jeder Einzelne in der Zivilgesellschaft viel bewegen könne. Mit diesem sicher auch sehr persönlichen Wunsch verabschiedete sich Maria Heubuch.

Die SchülerInnen fanden diese Begegnung sehr spannend, da sie einer Politikerin Fragen stellen konnten, die „mit Leidenschaft für ihre Themen kämpft“ und „voll dahinter steht“. Interessant fanden es die SchülerInnen vor allem, weil Frau Heubuch „aus dem Nähkästchen geplaudert hat“ und die Fragen der Schüler freundlich und verständlich beantwortet hat. Wir bedanken uns herzlich für diesen besonderen Vormittag. 

15.7.2017, Anne Seidenstücker & Yvonne Konrad